Kurz gelesen: Sofort zum Kinderarzt oder in die Kinderklinik gehört ein Kind unter 3 Monaten mit Fieber ab 38,0 Grad Celsius, gemessen rektal, denn in diesem Alter kann Fieber eine ernste Infektion ankündigen, ohne dass das Kind sonst auffällt. Vom 3. Lebensmonat an reichen bei einem ansonsten unauffälligen Kind mit fiebrigem Infekt Hausmittel und Beobachtung für 2 bis 3 Tage. Alarmsignale, die ohne Zögern zum Arzt führen, sind Trinkschwäche, schlaffe Hautfalten nach dem Anheben, Atemnot mit Nasenflügeln, anhaltendes Erbrechen, Hautausschlag mit Punkten, die sich unter dem Druck eines Glases nicht wegdrücken lassen, und Bewusstseinsstörungen. Bei Atemstillstand, Krampfanfall oder Bewusstlosigkeit lautet die Nummer 112, für medizinische Beratung rund um die Uhr die 116 117. Stand: 15. September 2026.
Ein krankes Kind erzeugt eine Frage, die kein Angebot ausfüllt: Ist das noch ein normaler Infekt oder muss heute jemand hinsehen? Kinder zwischen 0 und 6 Jahren haben im Winter alle 3 bis 4 Wochen einen Atemwegsinfekt, und fast alle davon heilen ohne jede Behandlung. Die Minderheit, die einen Arzt braucht, verrät sich durch wenige, gut erkennbare Zeichen.
Hausmittel unterstützen den Verlauf, sie ersetzen ihn nicht. Was wirkt, ist belegt: viel Flüssigkeit, kühle Raumluft um 18 bis 20 Grad, Nasentropfen mit Kochsalz, Wadenwickel bei hohem Fieber nur bei ruhigem Kind. Die Grenze, ab der jedes Hausmittel endet, folgt Altersstufen und Warnsymptomen.
Fieber: welche Temperatur bei welchem Alter zum Arzt führt
Fieber ist eine Temperaturerhöhung auf 38,0 Grad Celsius und mehr, gemessen im Po, und damit keine Krankheit, sondern die Abwehrreaktion des Körpers gegen Viren und Bakterien. Ob Fieber zum Arzttermin wird, entscheidet vor allem das Alter. Die folgende Tabelle setzt die Grenzen.
| Alter | Temperatur | Vorgehen |
|---|---|---|
| 0 bis 3 Monate | ab 38,0 Grad Celsius | Am selben Tag zum Kinderarzt oder in die Kinderklinik, auch nachts |
| 3 bis 6 Monate | ab 39,0 Grad Celsius | Am selben Tag vorstellen |
| 3 bis 6 Monate | 38,0 bis 39,0 Grad Celsius | Beobachten, wenn Trinkverhalten und Zustand normal sind, sonst vorstellen |
| 6 Monate bis 6 Jahre | 38,0 bis 39,5 Grad Celsius | Hausmittel und Beobachtung für 2 bis 3 Tage, dann Termin, wenn das Fieber nicht sinkt |
| 6 Monate bis 6 Jahre | ab 39,5 Grad Celsius | Fiebersenkung, Arztkontakt am selben Tag bei auffälligem Kind |
| Alle Alter | Fieber länger als 3 Tage | Ärztliche Abklärung unabhängig von der Höhe |
Die Werte gelten für rektal gemessene Temperatur, die Ohr- und Stirnmessung bleibt ungenauer und liest um bis zu 0,5 Grad niedriger. Ein Fieberkrampf bei Kindern zwischen 6 Monaten und 5 Jahren ist dramatisch, aber meist harmlos und kein Grund zum Notarzt, sofern er nach 2 Minuten endet; dauert er länger, greift die 112.
Warnzeichen, mit denen kein Kind bis morgen warten darf
Warnzeichen sind Symptome, die über die übliche Infekt-Symptomatik hinausgehen. Sie gelten für jedes Alter und schneiden der Alters-Logik den Rang ab, das heißt, ein Säugling mit einem Warnzeichen ist ein Notfall, auch wenn das Fieber niedrig liegt. Die 112 ruft der Notruf, die 116 117 die ärztliche Bereitschaft für nicht lebensbedrohliche Fälle außerhalb der Praxiszeiten.
- Trinkschwäche: ein Säugling trinkt weniger als die Hälfte der gewohnten Menge über 8 Stunden
- Zeichen von Austrocknung: trockene Mundschleimhaut, seltener Harndrang, weniger nasse Windeln als 4 am Tag, stehende Hautfalte
- Atemnot: Nasenflügeln, sichtbares Einziehen der Rippen, blaue Lippen, Atemfrequenz über 50 pro Minute bei Säuglingen
- Hautausschlag, der bei Fieber glasige Punkte zeigt und beim Drücken mit dem Glas nicht verschwindet, ein Hinweis auf eine Hirnhautentzündung
- Bewusstseinsstörung: das Kind ist weckbar, aber schläfrig, verwirrt oder reagiert nicht auf Ansprache
- Unstillbares Erbrechen oder Erbrechen bei jedem Schluck Flüssigkeit
- Kopfschmerz mit Nackensteifigkeit, das Kinn an die Brust zu legen ist schmerzhaft
Eine Hirnhautentzündung ist eine Entzündung der Häute des Gehirns und des Rückenmarks, die in wenigen Stunden lebensbedrohlich wird. Der Hauttest mit dem Glas lässt sich von jeder Person durchführen: ein durchsichtiges Trinkglas auf die Punkte drücken, bleiben sie sichtbar, gilt die 112.
Welche Hausmittel belegt helfen und was sie dürfen
Hausmittel sind Anwendungen ohne Medikament, die Beschwerden lindern, während der Körper die Infektion selbst bekämpft. Vier von ihnen sind gut belegt, der Rest reicht von neutral bis nutzlos.
- Trinken in kleinen Portionen, über den Tag verteilt: Wasser, ungesüßter Tee, Brühe; Flüssigkeit löst den Schleim und ersetzt den Verdunstungsverlust des Fiebers
- Kochsalz-Tropfen für die Nase, alle 3 bis 4 Stunden vor dem Trinken: verflüssigen den Schleim bei Säuglingen, die noch nicht schnäuzen
- Raumluft kühlen und befeuchten, 18 bis 20 Grad Celsius: kühle Luft erleichtert das Atmen, trockene Heizungsluft verdickt den Schleim
- Den Oberkörper hochlagern, wenn der Husten nachts zunimmt: das Sekret fließt besser ab
- Wadenwickel nur bei Fieber ab 39,5 Grad und nur, solange die Beine warm sind und das Kind ruhig bleibt, die Wirkung senkt das Fieber um 0,5 bis 1 Grad
Für Zwiebelsäckchen und Honig auf der Brust gibt es kaum untersuchte Wirkungen gegen Placebo; Honig darf wegen des Botulismus-Risikos erst nach dem 1. Geburtstag zum Einsatz kommen, der Botulismus ist eine seltene Lähmung durch Bakteriengifte im rohen Honig. Zwiebelauflagen und Kartoffelwickel sind unbedenklich, aber ohne Beleg.
Fiebersenkung: wann Paracetamol und Ibuprofen sinnvoll sind
Paracetamol und Ibuprofen sind fiebersenkende Medikamente, die in Kinderdosierung rezeptfrei in der Apotheke stehen. Sie senken das Fieber um 1 bis 1,5 Grad und lindern Schmerzen, sie verkürzen den Infekt nicht. Der rechte Zeitpunkt ist nicht die Temperatur, sondern das Befinden: Ein Kind, das mit 39 Grad schläft, braucht kein Medikament, ein Kind, das mit 38,5 Grad vor Schmerzen schreit, schon.
Die Dosierung richtet sich nach Gewicht, nicht nach Alter, und die Packungsbeilage nennt Milligramm pro Kilogramm. Ibuprofen ist ab 6 Monaten zugelassen und zusätzlich entzündungshemmend, Paracetamol ab der Geburt, aber nur in exakter Dosierung schonend für die Leber, denn die Leber baut Paracetamol ab und verträgt Überdosen schlecht. Ein Wechsel der Wirkstoffe ist unnötig und mit der Gefahr von Dosierungsfehlern verbunden. Aspirin ist für Kinder unter 12 Jahren verboten, denn es kann das Reye-Syndrom auslösen, eine seltene Leber- und Hirnerkrankung.
Ein Fieberkrampf tritt bei 2 bis 4 von 100 Kindern zwischen dem 6. Monat und dem 5. Lebensjahr auf, in der Regel am ersten Tag eines Fieberanstiegs. Er endet meist innerhalb von 2 Minuten, und der größte Teil dieser Kinder entwickelt später keine Epilepsie. Den Ausschluss eines ernsten Grundes übernimmt danach die Kinderarztpraxis.
Wann der Notruf 112 und wann die 116 117 zu wählen ist
Die Notrufnummer 112 verbindet mit der Rettungsleitstelle und schickt einen Rettungswagen. Die 116 117 ist die bundesweite Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes, sie berät und vermittelt den nächstgelegenen Notdienst außerhalb der Praxiszeiten. Die 116 117 ersetzt keine Praxis, sie ist für den Abend, das Wochenende und den Feiertag da, an dem eine Erkältung plötzlich mehr wird.
- 112 wählen bei Atemstillstand, Atemnot, Krampfanfall länger als 2 Minuten, Bewusstlosigkeit, Verdacht auf Hirnhautentzündung mit nicht wegdrückbaren Hautpunkten, sturzbedingtem Erbrechen
- 116 117 wählen bei hohem Fieber über 3 Tage, wenn die Praxis geschlossen ist, bei Ohrenschmerzen in der Nacht, bei Austrocknung ohne Erbrechen
- In der Praxis anrufen bei Fieber ohne Warnzeichen, wenn es länger als 3 Tage dauert, bei Husten, der nach 2 Wochen nicht endet, bei Verdacht auf eine Mittelohrentzündung
- Selbst fahren statt 112 bei stabilen Zuständen und vorhandenem Auto, die Leitstelle der 116 117 vermittelt aber auch Krankenfahrten
Eltern, die unsicher sind, rufen die 116 117 und schildern die Symptome. Die Entscheidung, ob ein Rettungswagen fährt, trifft das medizinische Personal am Telefon, nicht der Anrufer.
Häufige Fragen zum kranken Kind
Ab welcher Temperatur muss ich mit meinem Baby zum Kinderarzt?
Ein Baby unter 3 Monaten gehört bei Fieber ab 38,0 Grad Celsius, gemessen im Po, noch am selben Tag in ärztliche Behandlung, denn in diesem Alter kann Fieber eine ernste Infektion ankündigen, ohne dass das Kind sonst krank wirkt. Babys zwischen 3 und 6 Monaten sehen einen Arzt ab 39,0 Grad oder immer dann, wenn Trinkverhalten oder Zustand auffällig sind. Von 6 Monaten an entscheidet weniger die Temperatur als das Verhalten des Kindes: ein trinkendes, spielendes Kind mit 38,5 Grad braucht keinen Termin, ein schlaffes, weinerliches Kind mit 38,2 Grad schon.
Soll ich bei Fieber meines Kindes den Kinderarzt anrufen oder abwarten?
Abwarten ist richtig, wenn das Kind über 6 Monate alt ist, zwischen 38,0 und 39,5 Grad Fieber hat, selbst trinkt und sein Zustand den Tag über gleich bleibt oder sich bessert. Ein Anruf bei der Praxis oder unter der 116 117 ist richtig, wenn das Fieber länger als 3 Tage dauert, das Kind immer weniger trinkt, oder Sie unsicher sind. Anrufen oder die 112 wählen müssen Sie bei Warnzeichen: Atemnot, Hautausschlag, der unter dem Glasdruck nicht verschwindet, schlaffe Hautfalten, anhaltendes Erbrechen, Verwirrtheit.
Helfen Wadenwickel bei Fieber bei Kindern?
Wadenwickel senken das Fieber um 0,5 bis 1 Grad und gehören zu den wenigen Hausmitteln mit belegter Wirkung. Der Wickel wird in lauwarmem Wasser getränkt, leicht ausgedreht, um die Waden gelegt und nach 10 bis 15 Minuten erneuert, solange das Kind ruhig bleibt und die Beine warm sind. Nicht anwenden bei kalten Beinen, Zittrigkeit oder Kreislaufproblemen, Wickel abbrechen, wenn das Kind sich wehrt. Wadenwickel ersetzen keine ärztliche Untersuchung, wenn die Warnzeichen aus dem Artikel vorliegen.
Kann ein Kind mit Fieber schlafen oder muss ich es wecken?
Ein Kind mit Fieber darf schlafen, der Schlaf ist Teil der Erholung und senkt keine Notfallgefahr. Wecken müssen Sie es nur zur Flüssigkeitsaufnahme, wenn es über 6 Stunden nichts getrunken hat, das gilt vor allem für Säuglinge. Beobachten Sie die Atmung und die Hautfarbe zwischendurch, ohne den Schlaf zu unterbrechen: eine Atemfrequenz unter 50 pro Minute bei Säuglingen und rosige Lippen sind beruhigend. Bei bläulichen Lippen oder anstrengender Atmung mit Nasenflügeln gilt die 112, auch nachts.
Wie oft darf ich meinem Kind Fiebersaft geben?
Paracetamol darf alle 6 Stunden verabreicht werden, das entspricht 4 Einzeldosen in 24 Stunden, Ibuprofen darf alle 6 bis 8 Stunden verabreicht werden, das sind 3 bis 4 Einzeldosen am Tag. Die Dosis richtet sich nach dem Gewicht Ihres Kindes in Milligramm pro Kilogramm, Packungsbeilage und Apotheke nennen die Tabelle, die Kinderarztpraxis bestätigt sie. Ein Abstand von 4 Stunden zwischen Paracetamol und Ibuprofen ist möglich, wenn ein Wirkstoff allein nicht reicht, ein ständiger Wechsel über Tage ist eine Frage für den Kinderarzt. Ohne ärztlichen Rat gibt es fiebersenkende Medikamente bei Kindern nicht länger als 3 Tage.
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